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ZEHNTE SZENE

Seine Motivation war übernatürlich

Die Unterhaltung vor dem Kamin geht weiter.

Stimme

... Mitbruder Gabriel, wenn Euch jetzt eröffnet
würde, dass ihr in diesem Moment sterben
müsstet, was würdet Ihr tun?

Gabriele

Ich würde genau das tun, was ich im Moment
mache.

Stimme

Und würde diese Ankündigung kommen, wenn
Ihr gerade im Essensraum oder im Bett wärt?

Gabriele

Ich würde weiteressen oder weiterschlafen...

Stimme

... In seinem Lieben folgte er nicht den Regeln
des Geistes, der Sympathie, einem Drang des
Herzens so wie jemand liebt, der dies ganz
natürlich macht, nein, seine Motivation war
übernatürlich. Also war seine Liebe für den
Nächsten wahre christliche Liebe. Er versuchte,
durch seine Studien an den Punkt zu kommen,
wo er denen, die ihm unsympathisch waren,
zuerst dienen, sie bevorzugt behandeln konnte.
Und dies tat er mit solch einer Höflichkeit,
Umgänglichkeit und Großherzigkeit... wer es
nicht wusste, musste meinen, diese wären
seine besten Freunde...

Gabriele

... Wenn ihr jemandem etwas gebt, vor allem
wenn es sich um einen Armen handelt, so gebt
es ihm ganz von Herzen. Denn Gott gefällt es
viel mehr, wenn etwas geringes von Herzen
gegeben wird, als ein großes Geschenk, das
nicht von Herzen kommt.

Stimme

... Sein Gehorsam war so groß, dass eines Tages,
als ich ihm etwas aufgebracht anfuhr: "geh doch
lieber Schafe hüten oder schau nach den Hühnern!"
Zuerst nahm er es als Scherz, was es auch war,
und dache nicht weiter darüber nach. Doch dann
ersuchte er um die Erlaubnis, zu gehen. Zuletzt
fragte er gar nicht mehr nach der Erlaubnis,
sondern erhob sich einfach und nahm seinen Hut.
Er wäre gegangen, wenn ich ihn nicht im letzten
Moment zurückgerufen hätte... Beim Fest der
heiligen Ikone in Spoleto im Jahr 1856 - noch hatte
er sein Versprechen, ein religiöses Leben zu führen,
nicht eingelöst - an dem Tag, an dem die Ikone der
Madonna aus dem Tabernakel genommen, um sie
in einer Prozession zur Kirche zu tragen, schreitet
abermals der Diener Gottes ein ...